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Ergotherapie: Definition / Beschreibung
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1.1 „DACHS-Definition“ der Ergotherapie
Die Ergotherapie – abgeleitet vom Griechischen „ergein“
(handeln, tätig sein) – geht davon aus, dass „tätig
sein“ ein menschliches Grundbedürfnis ist und dass gezielt
eingesetzte Tätigkeit gesundheitsfördernde und
therapeutische Wirkung hat. Deshalb unterstützt und
begleitet Ergotherapie Menschen jeden Alters, die in
ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung
bedroht sind und/oder ihre Handlungsfähigkeit
erweitern möchten.
Ziel der Ergotherapie ist es, Menschen bei der Durchführung
von für sie bedeutungsvollen Betätigungen
in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und
Freizeit/Erholung in ihrer Umwelt zu stärken.
In der Ergotherapie werden spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung
und Beratung gezielt und ressourcenorientiert
eingesetzt. Dies erlaubt dem Klienten, seine
Handlungsfähigkeit im Alltag, seine gesellschaftliche
Teilhabe (Partizipation) und seine Lebensqualität und
-zufriedenheit zu verbessern.
„DACHS-Definition“ der Ergotherapie, Stand 6.2.2007 |
Die folgende Grafik gibt einen Überblick über die Kernbegriffe dieser Definition der Ergotherapie:

1.2 Kernbegriffe der Ergotherapie
Im Mittelpunkt der Ergotherapie steht der Mensch, der in
seinem Alltag und in seiner Umwelt optimale Handlungsfähigkeit
und Lebensqualität erhalten bzw. wieder erreichen
will.
Die Begriffe „Handlung“, „Mensch“, „Alltag“, „Umwelt“
und „Lebensqualität“ sind daher für die Ergotherapie zentral.
1.2.1 Handlung (handeln, Handlungsfähigkeit)
Handlung wird in der Ergotherapie als übergreifender Begriff
für alles verwendet, was ein Mensch tut, tun möchte
oder was von ihm erwartet wird. Handlungsfähigkeit bedeutet,
Handlungen planen und ausführen zu können.
Handlungen haben eine hohe persönliche und soziokulturelle
Bedeutung: Das tun zu können, was man in seinem
Alltag tun möchte und braucht, ist wichtig für Gesundheit
und Lebensqualität. Durch Handlungen kann der Mensch
seine Umwelt verändern und etwas zur Gesellschaft beitragen,
in der er lebt: Handlungen ermöglichen die Teilhabe
(Partizipation) an der Gesellschaft und an verschiedenen
Lebensbereichen.
Das wichtigste Ziel der Ergotherapie ist die Verbesserung
der Handlungsfähigkeit.
Um Handlungen zu planen, zu organisieren und auszuführen,
braucht der Mensch verschiedene Fähigkeiten und Fertigkeiten
gleichzeitig
- körperliche (wie z.B. Gehen, Greifen, Dinge tragen),
- kognitive (wie z.B. Planung oder Konzentrationsfähigkeit),
- emotionale (wie z.B. Motivation und Antrieb),
- soziale und interaktive (wie z.B. Körpersprache, Nähe-
Distanz-Regulation).
In der Ergotherapie werden oft alltägliche Handlungen eingesetzt,
um zu erfassen, welche Fähigkeiten oder Fertigkeiten
eines Menschen intakt und welche eingeschränkt sind. Handlungen
und Tätigkeiten werden außerdem analysiert und gezielt
so eingesetzt, dass die Handlungsfähigkeit des Klienten
im Hinblick auf seine Zielsetzungen gefördert wird.
Ergotherapeutinnen nutzen alltägliche Handlungen als
Mittel zur ergotherapeutischen Diagnostik und Intervention.
In der Ergotherapie sind Handlungen gleichzeitig Ziel
und Mittel der Therapie.
1.2.2 Mensch
Jeder Mensch ist ein einzigartiges Wesen. Seine Interessen
und Bedürfnisse hinsichtlich Handlungsfähigkeit, Teilhabe
(Partizipation) bzw. Lebensqualität stehen im Zentrum ergotherapeutischer
Interventionen. Sie werden sowohl bei
der Zielsetzung als auch bei der Planung der Intervention
berücksichtigt.
Ergotherapeutinnen definieren die Zielsetzung der Intervention,
wenn immer möglich, gemeinsam mit ihren
Klienten und planen und evaluieren diese mit ihm.
Handlungsfähigkeit und Lebensqualität hängen unter anderem
von den Fähigkeiten und Fertigkeiten des Menschen
ab. In der ergotherapeutischen Diagnostik werden diese
detailliert erfasst. Die ergotherapeutische Intervention
wird darauf ausgerichtet, sie so zu fördern und zu stärken,
dass die Handlungsfähigkeit verbessert und die Lebensqualität
erhöht wird.
Ergotherapeutinnen erfassen, welche Fähigkeiten und
Fertigkeiten ihrer Klienten gefördert werden müssen,
um deren Handlungsfähigkeit und Lebensqualität zu
verbessern.
Welche Handlungen ein Mensch zu einem bestimmten
Zeitpunkt seines Lebens im Alltag benötigt und welche eine
besondere Bedeutung für ihn haben, wird mitbestimmt
durch die Rollen, die er in seiner Umwelt einnimmt oder
einnehmen muss (z.B. Mutter-Rolle, Rolle des Arbeitnehmers).
Diese werden in der Ergotherapie berücksichtigt.
Die Ergotherapeutin berücksichtigt, welche unterschiedlichen
Rollen der Klient in seinem Leben einnimmt oder
wieder einnehmen möchte.
1.2.3 Alltag
Der Alltag eines Menschen ist geprägt von dem, was er tun
muss, tun möchte oder was von ihm erwartet wird, um
- sich selbst zu versorgen – Selbstversorgung,
- etwas zu seinem Lebensumfeld und zur Gesellschaft beizutragen
– Produktivität und
- um das Leben zu genießen und sich zu erholen – Freizeit.
Aus ergotherapeutischer Sicht müssen Handlungen aus
diesen drei Bereichen in einem ausgewogenen Verhältnis
stehen, damit die Gesundheit auf Dauer erhalten bleiben
kann.
Ergotherapeutinnen erfassen, welche Handlungen ihre
Klienten in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität
und Freizeit durchführen bzw. für ihren Alltag benötigen.
1.2.4 Umwelt
Jeder Mensch lebt in seinem Alltag unter individuellen
Umweltbedingungen. Diese kann man im Wesentlichen in
zwei Gruppen einteilen:
- Bedingungen der physischen Umwelt (z.B. Gegenstände, Zeit, Raum, Klima,
Licht, Lärm/Geräusche, Flora, Fauna);
- Bedingungen der sozialen Umwelt (z.B. Vereine, Nachbarschaft,
Menschen, Tiere, Kultur,
Einstellungen, Handlungsgrundsätze).
Diese Umweltbedingungen beeinflussen,
- welche Handlungen der Einzelne in seinem Alltag benötigt,
- welche körperlichen, kognitiven, emotionalen oder sozialen
Fähigkeiten zur
Handlungsdurchführung notwendig sind.
Die Umwelt beeinflusst die persönliche Bedeutung der Aktivitäten
im Alltag eines Menschen. Sie kann sich auf seine
Handlungsfähigkeit hemmend oder fördernd auswirken.
So kann man durch Veränderung der Umwelt die Handlungsfähigkeit
und Gesundheit positiv beeinflussen: Ein
Gebäude, das nur über Treppen zugänglich ist, ist z.B. für
einen Rollstuhlfahrer unerreichbar – eine Rampe ermöglicht
es ihm, dieses Hindernis zu überwinden. Ein ergonomisch
gestalteter Arbeitsplatz hilft, um z.B. Haltungsschäden
vorzubeugen.
Die Gestaltung der Umwelt spielt in der Ergotherapie
eine zentrale Rolle. Eine gezielt angepasste Umwelt ermöglicht
und erleichtert Handlungen und kann gesundheitsfördernd
wirken.
1.2.5 Lebensqualität
Der Begriff Lebensqualität umfasst subjektive und objektive
Aspekte.
Zur subjektiven Lebensqualität gehört die subjektive Bewertung
der eigenen Lebenssituation und Handlungsfähigkeit.
Menschen, die sich in ihrer Handlungsfähigkeit
eingeschränkt fühlen, beurteilen ihre Lebensqualität in der
Regel negativer. Die objektive Lebensqualität beinhaltet die
physischen und sozialen Umweltbedingungen.
Die Lebensqualität insgesamt steht also in engem Zusammenhang
sowohl mit der Handlungsfähigkeit eines Menschen
als auch mit dessen individueller Umwelt.
Unter Lebenszufriedenheit verstehen wir ein subjektives
psychisches Wohlbefinden als Ergebnis der Lebensqualität
und als Ausmaß der Zufriedenheit mit der eigenen Situation
in allen Bereichen des gegenwärtigen Lebens.
Lebensqualität und -zufriedenheit sind neben Handlungsfähigkeit
und Teilhabe (Partizipation) die wichtigsten
Ziele und Ergebnisse der Ergotherapie. |
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