Claudiana - Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe Ergotherapie - Was bietet sie heute und in Zukunft?
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Ergotherapie: Definition / Beschreibung
Die Klienten der Ergotherapie
Das Kerngeschäft der Ergotherapie
Die Kern- kompetenzen der Ergotherapie
Die Angebote der Ergotherapie
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Die Klienten der Ergotherapie
Die Ergotherapie hat innerhalb des Gesundheitswesens einen festen Platz in der Akutbehandlung, Rehabilitation sowie Sekundär- und Tertiärprävention. Sie arbeitet mit Menschen jeden Alters, deren Handlungsfähigkeit durch Krankheit, Behinderung oder Unfall eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht ist.

Im Rahmen von Gesundheitsförderung und Primärprävention beraten Ergotherapeutinnen zunehmend auch einzelne Personen, Angehörige, Arbeitgeber, Unternehmen und Institutionen, beispielsweise im Hinblick auf eine gesundheitsfördernde Gestaltung von Lebens- und Arbeitsräumen.

Beispiele
Die ersten vier der folgenden Beispiele sind typisch für den Einsatz von Ergotherapie in den Bereichen Akutbehandlung/ Rehabilitation sowie Sekundär- und Tertiärprävention. Die beiden weiteren Beispiele nehmen Situationen auf, in denen Ergotherapie in Zukunft verstärkt zu finden sein wird. Alle Namen sind fiktiv.

Der 7-jährige Tobias steht in der Schule unter Druck. Er wirkt in seinen Bewegungen ungeschickt, kann sich nur kurze Zeit auf eine Tätigkeit konzentrieren und hat Probleme im Umgang mit anderen Kindern. Er hat Schwierigkeiten, seine Sinneseindrücke zu ordnen und wird leicht abgelenkt. Diese Situation belastet ihn selbst und sein Umfeld. Die Lehrerin empfiehlt den Eltern, mit Tobias einen Arzt zu konsultieren. Der Arzt verordnet Ergotherapie.

Was bietet die Ergotherapeutin an?
Die Ergotherapeutin führt eine umfassende ergotherapeutische Diagnostik durch, in der die körperlichen, kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten von Tobias abgeklärt werden.

Die anschließenden ergotherapeutischen Interventionen führen dazu, dass Tobias seine Aufmerksamkeit dem Entwicklungsstand entsprechend besser fokussieren und seine Wahrnehmungsfunktionen sowie die Motorik gezielter steuern kann. Die Ergotherapeutin berät die Eltern und die Lehrerin, wie sie Tobias unterstützen können, um in der Therapie Erlerntes zu Hause und im Unterricht anzuwenden.

Durch diese Maßnahmen kann sichergestellt werden, dass Tobias in seiner Schulklasse integriert bleibt.

Herr Vollmer, 65-jährig, hat vor Kurzem einen Schlaganfall erlitten. Er ist halbseitig gelähmt, möchte sich aber wieder selbst waschen, anziehen und alleine auf die Toilette gehen können. Im Rahmen seiner Rehabilitation kommt er in die Ergotherapie.

Was bietet die Ergotherapeutin an?
Die Ergotherapeutin erfasst, welche Fähigkeiten durch den Schlaganfall beeinträchtigt und welche unversehrt sind. Mit gezielten, alltagsorientierten Aufgaben trainiert sie mit Herrn Vollmer die Fähigkeiten, die er benötigt, um die oben genannten Tätigkeiten wieder selbständig ausführen zu können (z.B. seine Arm-/Handfunktion). Bleiben dennoch Einschränkungen der Fähigkeiten bestehen, entwickelt sie mit Herrn Vollmer Wege zur Kompensation, empfiehlt ihm Hilfsmittel und übt mit ihm den selbständigen Umgang damit.

So kann verhindert werden, dass Herr Vollmer bei der Verrichtung dieser alltäglichen Handlungen auf Hilfe angewiesen ist, womit ein wichtiger Schritt im Hinblick auf eine Rückkehr nach Hause vollzogen wird.

Frau Meier, 85-jährig, ist in ihrem häuslichen Umfeld schon zweimal gestürzt. Ihr Gleichgewicht im Alltag, ihre Kraft und ihr Sehvermögen sind eingeschränkt. Ihr Hausarzt meldet sie bei der Ergotherapeutin an, um durch gezielte Therapie weitere Stürze zu verhindern.

Was bietet die Ergotherapeutin an?
Die Ergotherapeutin klärt Frau Meier über den Kraftverlust, den Rückgang des Gleichgewichtssinnes und des Sehvermögens im Alter auf. Sie übt mit ihr, die Aufmerksamkeit gezielt auf die Aktivität zu richten, die sie gerade ausübt. Sie trainiert mit Frau Meier ihr Gleichgewicht im Alltag zu halten, zuerst in ihrer Wohnung und dann draußen, im Treppenhaus und im Garten. Sie zeigt ihr Übungen zur Kräftigung der Muskulatur.
Nach einer Abklärung der Risiken vor Ort berät die Ergotherapeutin Frau Meier und ihre Angehörigen über mögliche bauliche Anpassungsmaßnahmen sowie den gezielten Einsatz von Hilfsmitteln. Kleine Veränderungen (z.B. Handlauf im Gang, Haltegriffe in der Dusche, Entfernung von Schwellen) ermöglichen ihr, weiterhin selbständig und sicher in den eigenen vier Wänden zu leben. Frau Meier und ihre Angehörigen sind dadurch beruhigt und entlastet.

Frau Forster, 45-jährig, erholt sich von einer Depression. Aufgrund ihrer Erkrankung musste sie ihre Arbeitstätigkeit längere Zeit unterbrechen. Sie steht vor der Frage: „Wie geht es beruflich weiter?“ Um ihre berufliche Wiedereingliederung vorzubereiten, besucht sie ambulant die Ergotherapie.

Was bietet die Ergotherapeutin an?
Die Ergotherapeutin klärt im Rahmen der ergotherapeutischen Diagnostik die körperlichen, kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten von Frau Forster ab und lotet ihre Belastungsgrenzen aus. Sie unterstützt sie dabei, ihre Grenzen selbst einzuschätzen sowie ihre Potenziale und Ressourcen zu erkennen.

Gemeinsam mit Frau Forster und deren Arbeitgeber erstellt die Ergotherapeutin direkt am Arbeitsplatz eine Anforderungsanalyse der bisherigen bzw. zukünftigen Aufgaben. Sie erarbeitet mit ihnen spezifische Maßnahmen, wie z.B. das Anpassen von Arbeitsabläufen an Frau Forsters individuelle Kompetenzen, das Definieren von Belastungsgrenzen und Hilfen zur Tagesstrukturierung, und unterstützt Frau Forster bei deren Umsetzung. Eine schrittweise Wiedereingliederung an den Arbeitsplatz wird damit möglich.

Die Stadtverwaltung von Mühlhausen ist bestrebt, die gesundheitlichen Rahmenbedingungen für ihre Mitarbeiter zu verbessern. Eine Ergotherapeutin wird zurate gezogen.

Was bietet die Ergotherapeutin an?
Die Ergotherapeutin bietet nach der Erfassung und Analyse von Arbeitsbedingungen und Stressfaktoren vor Ort eine zielgerichtete Beratung zur Verbesserung der Ergonomie der Arbeitsplätze an. Sie berücksichtigt neben Licht-, Raum- und Lärmverhältnissen auch Arbeitsabläufe und individuelle Faktoren, wie z.B. Sitzhaltung, Arbeitshöhe und Arbeitsradius der Mitarbeiter. Sie instruiert die Mitarbeiter über die Auswirkungen von Fehlhaltungen am Arbeitsplatz und zeigt ihnen Möglichkeiten auf, ihren Arbeitsplatz selbst zu optimieren.

Diese Maßnahmen verbessern die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter, steigern deren Bewusstsein für mögliche Fehlhaltungen und ihre Möglichkeiten, das Arbeitsumfeld eigenverantwortlich an ihre individuellen Bedürfnisse anzupassen. Krankenstände können dadurch reduziert werden.

Die Gemeinde Petersberg will die Gestaltung von Einrichtungen für Kinder überdenken. Sie möchte Spielplätze, Krabbelstuben, Kindergärten und Schulen altersgerecht und entwicklungsfördernd gestalten.

Was bietet die Ergotherapeutin an?
Die Ergotherapeutin berät die Gemeinde über die Anwendung und den zielgerichteten Einsatz von Materialien, Geräten, Gestaltungselementen und Aktivitätsangeboten, welche einen sinnvollen Beitrag zur altersgerechten Förderung leisten können.

Mit der Neugestaltung gelingt es, eine auf Kinder abgestimmte und entwicklungsfördernde Umgebung zu schaffen.