Claudiana - Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe Ergotherapie - Was bietet sie heute und in Zukunft?
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Ergotherapie: Definition / Beschreibung
Die Klienten der Ergotherapie
Das Kerngeschäft
der Ergotherapie

Die Kern- kompetenzen der Ergotherapie
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Die Kernkompetenzen der Ergotherapie
Ergotherapeutinnen kennen die biopsychosozialen Zusammenhänge zwischen Körperfunktionen und -strukturen, Aktivitäten und Teilhabe (Partizipation) sowie Umweltfaktoren. Dieses Wissen basiert auf medizinischen und sozialwissenschaftlichen (z.B. psychologischen, pädagogischen, soziologischen) Grundlagen und auf spezifischen ergotherapeutischen Modellen, Mitteln und Methoden.

All dieses Wissen steht der Ergotherapeutin in der Arbeit sowohl mit einzelnen Personen als auch mit Institutionen und Gruppen von Menschen zur Verfügung. Je nach Zielsetzung werden in der ergotherapeutischen Diagnostik und Intervention unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt.


4.1 Die Handlungsfähigkeit und ihre Einflussfaktoren analysieren und erfassen: Die ergotherapeutische Diagnostik

Ergotherapeutinnen analysieren die Anforderungen an die Handlungsfähigkeit in bestimmten Alltagssituationen und Umweltbedingungen. Zum Beispiel:
  • Welche Bewegungsabläufe werden an einem Arbeitsplatz besonders häufig benötigt; wie können diese verändert werden, um einseitige Belastungen zu verhindern?
  • Welche besonderen Anforderungen stellt die selbständige Haushaltführung an einen Menschen, der infolge eines Schlaganfalls halbseitig gelähmt ist?
Ergotherapeutinnen untersuchen, überprüfen oder testen körperliche, kognitive, emotionale und soziale Fähigkeiten sowie Gewohnheiten und Vorlieben einzelner Menschen oder von Gruppen. Zum Beispiel:
  • Genügt die Konzentrationsfähigkeit nach einem Unfall bereits wieder für eine Vollzeit-Arbeitsstelle oder ist zunächst ein Teilzeit-Arbeitsversuch empfehlenswert?
  • Welche Fähigkeiten sind bei einem Kind beeinträchtigt, das sich in der Schule nicht konzentrieren kann und das motorisch sehr ungeschickt ist? Ist es die Motorik, sind es kognitive, emotionale oder soziale Fähigkeiten?
  • Welches waren die (Lieblings-)Beschäftigungen einer Klientin, bevor sie depressiv wurde? Könnten diese Tätigkeiten sie darin unterstützen, wieder eine Tagesstruktur aufzubauen?
Ergotherapeutinnen führen ergotherapeutische Aktivitäts- bzw. Betätigungsanalysen durch. Diese geben Antwort auf die Frage, wie sich Handlungsfähigkeit, -zufriedenheit, Teilhabe (Partizipation) und Lebensqualität gegenseitig beeinflussen und wie diese am wahrscheinlichsten, effizientesten und effektivsten verbessert werden können. Zum Beispiel:
  • Wie beeinflusst ein chronischer Schmerz die Konzentrationsfähigkeit eines Menschen? Wie wirkt er sich auf seine Teilhabe (Partizipation) am sozialen Leben aus? Welche individuell bedeutsamen Aktivitäten können den Schmerz vorübergehend reduzieren?
  • Wie muss eine Wohnung umgestaltet werden, damit sich ein Rollstuhlfahrer ohne Hindernisse darin bewegen kann?
  • Wie wirkt sich die Verhaltensänderung einer Person auf ihre soziale Umgebung aus?
Zusammenfassend verfügt die Ergotherapeutin im Bereich ergotherapeutischer Diagnostik über folgende Kernkompetenzen:
  • Kompetenz zur Alltagsanalyse: Analyse von Anforderungen des Alltags und der Umwelt an die Handlungsfähigkeit (ergotherapeutische Aktivitäts- und Betätigungsanalyse)
  • Kompetenz zur Analyse von Fähigkeiten und Fertigkeiten des Menschen, welche die Handlungsfähigkeit beeinflussen (medizinisch fundierte Analysefähigkeit)
  • Wissen über die biopsychosozialen Zusammenhänge zwischen Körperfunktionen und -strukturen, Aktivitäten, Umweltfaktoren, Teilhabe (Partizipation) und Lebensqualität (ergotherapeutische Modelle)

4.2 Handlungsfähigkeit, Teilhabe und Lebensqualität gezielt fördern: Die ergotherapeutische Intervention

Die Ergotherapeutin setzt ihr Wissen und Können gezielt so ein,
  • dass ein Klient verloren gegangene körperliche, kognitive, emotionale und soziale Fähigkeiten wiedergewinnen kann,
  • dass er neue Handlungsfähigkeiten erlernen kann
  • oder dass er seine Umwelt gesundheitsfördernd gestalten kann.
Die Intervention wird so aufgebaut, dass stabile und dauerhafte Veränderungen der Handlungsfähigkeit möglich werden.

Folgende Interventionsarten können z.B. eingesetzt werden:
  • Erstellen eines individuellen Übungsprogramms für spezifische Fähigkeiten und Fertigkeiten: Dieses wird darauf zugeschnitten, einzelne Komponenten der Handlungsfähigkeit zu verbessern oder zu erhalten. Es enthält wichtige Teile aus Alltagshandlungen, so dass die Übertragung des Geübten in Alltagssituationen später leichter fällt.
  • Üben von Alltagstätigkeiten und ganzen Handlungsabläufen: Die Ergotherapeutin begleitet und unterstützt den Klienten dabei. Z.B. wird gemeinsam zunächst das eigen ständige Anziehen trainiert, später das Einsteigen in die Badewanne oder ins Auto und dann das Einkaufen im Supermarkt.
  • Anfertigung von Schienen, Adaptation von Hilfsmitteln: Die Ergotherapeutin fertigt individuell angepasste Handschienen an und passt Hilfsmittel an die Bedürfnisse des Klienten an.
  • Beratung: Häufig übernimmt die Ergotherapeutin eine beratende Funktion, z.B. wenn es um Möglichkeiten zur Anpassung der Wohnung oder des Arbeitsplatzes, um die Anschaffung von Hilfsmitteln oder um die Beratung von Bezugspersonen geht.
  • Entwickeln eines Aktionsplans: Dieser beschreibt Schritt für Schritt, wie Handlungsfähigkeit, -zufriedenheit, Teilhabe (Partizipation) und Lebensqualität verbessert werden können oder wie eine gesundheitsfördernde oder primärpräventive Maßnahme aufgebaut und umgesetzt werden kann. Kann der Klient diesen Aktionsplan alleine umsetzen, so begleitet die Ergotherapeutin einzelne Schritte oder den Abschluss der Umsetzung, um die Ergebnisse aus therapeutischer Sicht zu evaluieren.
Zusammenfassend verfügt die Ergotherapeutin im Bereich ergotherapeutischer Intervention über folgende Kernkompetenzen:
  • Kompetenz zur Anleitung und Unterstützung beim Training alltagsrelevanter körperlicher, kognitiver, emotionaler und sozialer Fähigkeiten und Fertigkeiten; Erstellen eines individuellen Übungsprogramms

  • Kompetenz zur Begleitung, Anleitung und Unterstützung beim Ausprobieren und Training wichtiger Alltagshandlungen

  • Kompetenz zur Auswahl (Beratung), Entwicklung und Herstellung von Schienen, Hilfsmitteln und Adaptationen für Mensch und Umwelt, die eine bessere Handlungsfähigkeit und Lebensqualität ermöglichen

  • Kompetenz zur Beratung in Bezug auf den Erhalt und die Verbesserung von Handlungsfähigkeit, Teilhabe und Lebensqualität

  • Kompetenz zur Entwicklung von Aktionsplänen zur Verbesserung von Handlungsfähig keit, Teilhabe und Lebensqualität

  • Kompetenz zur Begleitung/Supervision und Evaluation bei der Umsetzung des Aktionsplans